SCHIMMEL BLOG

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24.04.2020

WAS IST EIGENTLICH SCHIMMEL?

Nun haben wir in de letzten Wochen schon darüber gesprochen, dass über Schimmel viel gestritten wird, dass man dem Wachstum von Schimmel vorbeuge kann, wenn man richtig lüftet, dass Schimmel nicht immer gleich gefährlich sein muss und dass [der Schimmel immer da wächst, wo es nass oder feucht ist.

Aber was genau ist denn Schimmel überhaupt?

Schimmel ist weder Tier noch Pflanze.
Der Schimmelpilz gehört, wie der Name schon sagt, zu einer völlig anderen Art von Lebewesen auf unserer Erde, nämlich zu den Pilzen.

Nun könnte ich hier lange und weit ausschweifend darüber schreiben, dass die Pilze früher zu den Pflanzen gezählt wurden, obwohl sie von ihren Eigenschaften eher mit den Tieren zusammenpassen, als mit den Pflanzen und so weiter und so fort, aber das führt, denke ich, zu weit.

Ein Schimmelpilz besteht, wie auch der essbare Pilz aus drei wichtigen Komponenten:
• Aus den Hyphen und dem Mycel.
Die Hyphen sind winzig kleine Wurzeln, die sich ausbreiten. Das Geflecht der Wurzeln nennt man Mycel.
Dieses Mycel ist für das menschliche Auge in den meisten Fällen unsichtbar und kann, bei giftigen Pilzgattugen, ebenfalls bei der Einnahme zu Gesundheitsschäden führen.

• Aus dem Fruchtkörper.
Dem sichtbaren Teil des Pilzes. Das ist zum Beispiel das, was man den Champignon nennt. Der Größte Teil des Pilzes, das Mycel, wird auch beim Champignon nicht gegessen.
Beim Brot zum Beispiel ist der Fruchtkörper das, was wir als Schimmel erkennen. Eine Scheibe Brot aus der Tüte zu nehmen, an der bereits Schimmel zu sehen ist und den Rest bedenkenlos weiter zu essen ist nicht empfehlenswert, weil das Mycel aller Wahrscheinlichkeit schon das ganze Brot befallen hat und zu gesundheitlichen Schäden führen kann.
Das Gleiche gilt übrigens ach für Marmelade!
Entgegen der geläufigen Meinung, Marmelade sei auch noch essbar, wenn sie verschimmelt ist, geht, wer den sichtbaren Schimmel von der Marmelade abkratzt und den Rest weiterhin verzehrt, ein hohes gesundheitliches Risiko ein.

• Und aus den Sporen
Die Sporen sind sozusagen die Samen des Pilzes.
Man kann sich das ganze ungefähr wie bei einer Pusteblume vorstellen.
Der Fruchtkörper bildet die Sporen. Wenn der Pilz der Meinung ist er müsse sich ausbreiten kann er, je nach Gattung, die Sporen regelrecht abschmeißen. Auch Wind kann die Sporen in erheblichem Maße weitertragen.
Insbesondere dann, wenn der Pilz in Gefahr ist, zum Beispiel dann, wen man die Ursache für den Schimmelpilz behoben hat, verteilt er seine Sporen in der Umgebung, um einen neuen Platz zu finden, an dem er sich wohlfühlt.
Auch die Sporen eines Schimmelpilzes können, je nach Gattung, gesundheitsschädlich sein. Eine nicht fachgerechte Schimmelpizbehandlung birgt somit das Risiko für eine weitaus höhere Gesundheitsgefährdung, als der vorhandene Pilzbafall.

Ein Pilz, egal ob Schimmel oder essbar, ernährt sich von organischen Substanzen. Diese findet er zum Beispiel im Waldboden (holz, tierische Exkremente, abgestorbene Pflanzen etc.) oder interessant für diejenigen, die etwas über de Schimmel wissen möchten, von Tapeten (Cellulose), Tapetenkleister, Dispersionsfarbe, Gips-Putz, Blumenerde, Möbelstücke etc.
Es gibt auch Pilzgattungen, wie den Aspergillus Fumigatus, der im Menschlichen Körper leben kann, wenn die Wirtsperson körperlich geschwächt ist.

Neben den Nährstoffen braucht ein Pilz in den meisten Fällen nur noch ausreichend viel Feuchtigkeit und Sauerstoff, wobei letzterer im wesentlich geringeren Ausmaß vorhanden sein muss, als bei uns Menschen. Auch ein Luftgemisch mit mehr Co² als Sauerstoff macht dem Schimmelpilz in der Regel nichts aus.
Wie viel Feuchtigkeit ein Schimmelpilz zum Wachsen und Überleben braucht erfahren Sie in meinem Artikel Die Geheimnisse des Lüftens.

Schimmelpilze brauchen zum Wachstum kein Licht und wachsen bei Temperaturen zwischen 0 und 100 °C. Auch höhere Temperaturen und Frost bis zu einem bestimmten Grad lassen den Pilz so schnell nicht absterben.

Gefährdungen durch Schimmelpilz
Folgende Gefährdungen können durch Schimmelpilz auftreten:

„• Schimmelpilze können eine allergene, eine toxische sowie eine infektiöse Wirkung besitzen.
• Grundsätzlich können alle Schimmelpilze in lebendem oder abgetötetem Zustand Allergien hervorrufen. Schimmelpilzbelastungen können sich auf Atopiker schwerwiegender auswirken als auf Nichtatopiker. (Atopiker sind Menschen, die zu Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen u.ä. neigen.) Für sie besteht nicht nur die Gefahr, gegen Schimmelpilze allergisch zu werden, sondern auch die erhöhte Gefahr einer Allergie gegen Hausstaubmilben. Hausstaubmilben ernähren sich von Schimmelpilzen und nehmen deshalb in schimmelpilzbefallenen Wohnungen zu.
• Schimmelpilze zeigen zusätzlich (besonders in hohen Konzentrationen) toxische Wirkungen, die sich am häufigsten im Kontaktbereich als Entzündungsreaktion auf die Bindehäute, die Haut, auf die Schleimhaut der Nase, der oberen Atemwege, seltener
auf die tiefen Atemwege auswirken.
• Schimmelpilze der Risikogruppe 2 nach Biostoffverordnung1 können selten Infektionen beim Menschen verursachen. Allgemeininfektionen, wie z.B. die Aspergillose,
treten fast ausschließlich bei immungeschwächten Menschen auf. Häufiger sind Aspergillome der Nasennebenhöhlen oder der Lunge oder die mit Asthmasymptomatik einhergehende bronchopulmonale Aspergillose, die bei günstigen Ansiedlungsbedingungen der Pilze (Nasennebenhöhlenentzündung, erweiterte Bronchien) zu beobachten sind. Sie sind bei hoher Schimmelpilzbelastung häufiger als bei niedriger Belastung.“

Zitate 3.1 aus Handlungsempfehlung für die Sanierung von mit Schimmelpilzen befallenen Innenräumen vom Landes-gesundheitsamt Baden-Württemberg.

Die Mykotoxine sind es, die bei dem Verzehr von verschimmelten Lebensmitteln zur gesundheitlichen Gefahr werden können. Da Ihnen Hitze nichts ausmacht, werden sie auch beim Kochen nicht unschädlich gemacht.
Einige Mykotoxine sind sogar Krebs erregend.

Neben den gesunheitlichen Risiken können Schimmelpilze in unserer Kultur jedoch sehrwohl auch gewollt sein.
Zum Beispiel auf Wurst- und Käsespezialitätzen.
Außerdem ist auch das aller erste unserer Atibiotika, das Penizillin ein Schimmelpilz.

Wussten Sie das?

Alexander Fleming, ein schottischer Bakteriologe, erfand das Penizillin zufällig, als ihm auffiel dass bei seinen Experimenten mit Krankheitserregern eines seiner Bakterienkulturen mit dem Schimmelpilz Penicillium verunrinigt war.
Ihm viel auf, dass die Krankheitserreger, dort wo der Schimmelpilz vorhanden war, abgestorben sind.Die ganze Geschichte zur Erfindung von Penicillin finden Sie hier:
http://www.onmeda.de/persoenlichkeiten/fleming.html



So.
Nun wissen Sie also was genau ein Schimmelpilz ist.

Ich hoffe, Ihnen hat mein Artikel gefallen und ich konnte mal wieder dazu beitragen, Ihren Wissensschatz ein Wenig zu erweitern.
Mir jedenfalls hat es Spaß gemacht.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen wie gewohnt unter info@gutachter-kail.de zur Verfügung.
Natürlich freue ich mich auch über ein Kommentar von Ihnen, was dann jeder hinter meinem Artikel lesen kann.

Alles Gute und bis nächste Woche.

Ihr Gutachter Kail

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