SCHIMMEL BLOG

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Ihr Schimmel Gutachter aus Traventhal - Sachverständigenbüro Kail



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06.06.2017

NIX STURMSCHADEN! - NULLNUMMER IN SACHEN VERSICHERUNGSSCHUTZ

Es stürmt und regnet ungewohnt heftig und plötzlich dringt Regenwasser durch das Dach ins Gebäude.

Wie gut dass man versichert ist. Dementsprechend wendet man sich mit dem entstandenen Schaden an seinen Versicherer.
Doch nun kommt das böse Erwachen: Der entstandene Schaden ist nicht versichert!

Was ist passiert?
Der Schaden ist doch schließlich durch Sturm entstanden! Warum ist er jetzt auf einmal nicht versichert?

Derartige Schadenereignisse passieren immer wieder und immer wieder kommt es bei diesen Schäden zu nicht ganz unbegründeten Diskussionen zwischen den Versicherungskunden und den Versicherern, bzw. den von den Versicherern eingesetzten Sachverständigen.

Es ist nachvollziehbar und denkbar logisch, dass der Versicherungskunde bei einem, wie oben geschilderten Schaden, von einem Sturmschaden ausgeht.
Und dennoch sind diese Schäden im Sinne der Bedingungen tatsächlich keine Sturmschäden.

Für einen Sturmschaden muss ein Schaden an der Gebäudeaußenhülle (zum Beispiel am Dach) entstanden sein, damit dieser im Sinne der Bedingungen als entschädigungsfähig gilt.

Dringt das Regenwasser hingegen ausschließlich durch die Intensität sowie durch das Zusammenspiel mit Sturm in kleine Ritzen und Undichtigkeiten des Gebäudes, so nennt man diese Schäden Einregnungsschäden.
Gegen Einregnung kann man sich bedauerlicherweise nicht versichern.

Dieser Umstand ist im Grunde darauf zurückzuführen, dass der Versicherer nicht für Undichtigkeiten an seinen versicherten Gebäuden haften möchte.
Insbesondere bei alten Gebäuden sind derlei Undichtigkeiten weit verbreitet.
Hierbei reicht es in der Regel aus, dass der Wind den Regen am Dach nach oben drückt.
Im Regelfall läuft das Regenwasser an den Dachziegeln nach unten, weshalb bei normalem Regen, selbst mit einhergehendem Wind, kein Regenwasser ins Gebäude eindringen kann.
Kommt es jedoch zu einem starken Niederschlag, im zusammenspiel mit Wind, oftmals aus ungewöhnlichen Windrichtungen, besteht die Möglichkeit dass das Regenwasser von unten nach oben getrieben wird und somit hinter die Dachziegel laufen kann.
Bei neuen Gebäuden ist dieses in der Regel kein Problem, da hinter den Dachziegeln direkt eine Abdichtungsfolie (oftmals Delta-Max-Folie) vorhanden ist, die in so einem Schadenfall das Regenwasser ableitet, ohne das Gebäude zu durchfeuchten.
In alten Gebäuden ist eine derartige Folie jedoch in den meisten Fällen nicht vorhanden, weshalb es hier zu den besagten Einregnungsschäden kommen kann.
Da es im Jahr eine Vielzahl an derlei Schäden gibt, gegen die der Versicherungskunde, sofern ihm denn der Umstand der Möglichkeit eines solchen Schadens bewusst ist, etwas tun kann und diese Schäden den Versicherer im Jahr eine horrende Summe kosten würden, schließen alle Versicherer derartige Schäden aus dem Versicherungsumfang aus.

Somit stehen sie also auf einmal mit ihrem Schaden alleine dar.

Kann man denn da gar nichts machen?
Im Regelfall leider nein. Hierbei auf die Kulanz des Versicherers zu hoffen ist in den meisten Fällen vergebene Liebesmühe, da die Versicherer diese Schäden nicht grundlos aus ihren Bedingungswerken verbannt haben.
Bei diesem Ausschluss handelt es sich auch nicht um irgend einen neumodischen Ausschluss, der von allen Versicherern gemeinsam beschlossen wurde um Kosten einzusparen. Derartige Schäden sind bereits seit ewigen Zeiten nicht versicherbar.

WICHTIG ZU WISSEN:
Kommt es zu einem Sturmschaden, sind Sie in der Nachweispflicht, dass es zu einem Schaden an Ihrem Gebäude gekommen ist!
Wurden bei Ihnen nun durch Sturmdachziegel im Haus verrückt, so ist grundsätzlich ein entschädigungsfähiger Sturmschaden entstanden. Rücken Sie diese Dachziegel jedoch, und sei es dem Umstand der schnellstmöglichen Schadenvermeidung geschuldet, wieder gerade ohne entsprechende Fotos vom Schaden gemacht zu haben, so kann es unter Umständen dazu kommen, dass ihr Versicherer den Schaden ablehnt, da kein erkennbarer Schaden am Gebäude entstanden ist.

Sollten Sie also in die Verlegenheit eines solchen Schadens kommen, vergessen Sie niemals Fotos von diesem Schaden zu machen.
Weisen Sie Ihren Handwerker zwingend darauf hin, dass er vor der Reparatur Fotos von den Schäden macht, damit sie diese gegebenenfalls bei ihrem Versicherer geltend machen können


Jetzt kommen viele Kunden auf die Idee: OK, wenn es also kein Sturmschaden ist, dann ist es eben ein Elementarschaden, für den ich ja auch versichert bin.

Elementarschäden werden oftmals von den Versicherungskunden als eine Art All Gefahrengarantie bei Unwettern verstanden.
Dieser Umstand ist jedoch ein Trugschluss.
Ein Elementarschaden ist dann entstanden, wenn das Grundstück des versicherten Risikos (also das Grundstück ihres Gebäudes) durch Starkregen überschwemmt wird oder es aufgrund von Starkregen, mit einhergehender Überschwemmung, zu einem Rückstau in der Abwasserleitung kommt, wodurch das Abwasser beispielsweise aus der Toilette ihres Hauses aufsteigt und ihr Haus überflutet.

Hierbei gelten ausschließlich derlei Schäden als versicherte Schäden, welche ebenerdig oder im Keller entstanden sind.
Schäden im Obergeschoss zum Beispiel, ob nun aufgrund eines überfluteten Balkons oder aufgrund von Einregnung (wie im oberen Beispiel durch Eindringen von Regenwasser zwischen die Dachziegel) sind auch im Einschluss von Elementarschäden nicht versichert.

Kommt es dennoch zu einem Schaden an Ihrem Gebäude, sind die Sachverständige der Versicherungen Ihnen dennoch gern behilflich, kostengünstige Handwerker für die Beseitigung ihrer Schäden zu vermitteln.
Aus diesem Grund empfiehlt Ihnen der Verfasser dieser Zusammenstellung ganz eindringlich, nehmen Sie es den Armen Überbringern schlechter Nachrichten nicht übel, sondern fragen Sie nach einer günstigen Methode für die Schadenbeseitigung.
Weder die Sachverständigen noch die Sachbearbeiter bei den Versicherungen haben sich die Vertragsmodalitäten ausgesucht. Sie sind lediglich diejenigen, die auf Grundlage der vorhandenen Vertragslage die entstandenen Schäden bewerten sollen.
In den seltensten Fällen gibt es hier einen Spielraum, den die Sachverständigen gegebenenfalls wohlwollend berücksichtigen können.

Sollten Sie Fragen in einem derartigen Schadenfall haben, kommen Sie gerne auf mich zu.

Alles Gute
Ihr Gutachter Kail


 nix_Sturmschaden.jpg


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